Kreuzritter-Fanfare

 

Richard Henrion (1854 – 1940)
Unerwartet erschienen im Jahre 1893 die 4 Fanfaren-Märsche von Richard Henrion:
- Fehrbellinger Reitermarsch,
- Kreuzritter-Fanfare,
- Hie guet Brandenburg allewege,
- Unterm Sparrenshild.
Sie trafen genau das Richtige und lösten einen Sturm der Begeisterung aus. Kaiser Wilhelm II. genehmigte, als er davon erfuhr, allen Musiken Pauken und Fanfaren, wenn auch nur für Konzerte. Jetzt wollte jeder Fanfaren-Märsche hören, und jede Kapelle wollte Fanfaren-Märsche blasen. Vielen ging es auch um das äußere Bild des Paukers mit erhobenen Schlägern und um das gleichmäßige An- und Absetzen der Fanfaren. Allen Musiken ließen sich mit Kesselpauker und beiderseits Fanfaren-Bläsern photographieren. Im Programm durften Fanfaren-Märsche nicht fehlen. Man wurde unruhig, wenn sie kamen; man wollte sie hören und sehen.
Henrion komponierte seine 4 Fanfaren-Märsche für die Naturtöne einstiger Herolds-trompeten; die Harmonie-Musik des Orchesters tat nur ergänzen bzw. untermalen. In ihrer Wirkung waren die Stücke unterschiedlich. Am gängigsten und einprägsamsten war der Fehrbelliner Reitermarsch (Text: Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder hab‘n). Er konnte es mit dem bekannten Parademarsch der 18. Husaren aufnehmen. Die anderen 3 Märsche wurden später entsprechend obiger Reihenfolge weniger gespielt. Doch waren Fanfaren-Märsche zeitgemäß. In Berlin mühte sich Professor Julius Kosleck um Wiedererweckung mittelalterlicher, heroisch-ritterlicher Trompeter und Paukerkunst.
Der Komponist Richard Henrion (*1854, +1940) war in aller Munde. Er diente als Stabshoboist des Infanterie-Regiments Nr. 64 in Prenzlau/Mark, wo er in seiner Wohnung Wilhelmstraße 52 die Stücke schrieb. Später wurde er Musikdirektor des Grenadier-Regiments Nr. 2 in Stettin, mit dem er 60jährig in den I. Weltkrieg zog.
Armeemarsch wurde nur die Kreuzritter-Fanfare. Das Kürassier-Regiment Graf Wrangel Nr. 3 in Königsberg/Ostpreußen blies das Stück als Parademarsch im Schritt und erhielt mit Verfügung vom 11. November 1901 die Einreihung als Armeemarsch genehmigt. Die damalige Bearbeitung war von Theodor Kewitsch (*1834, +1903), einem Posaunisten, volkstümlichen Komponisten und Redakteur der Neuen-Militär-Musik-Zeitung. 1926 verfaßte Professor Hackenberger eine Neubearbeitung für sein Marschbuch 2. Folge, aus dem es die Bundeswehr 1962 in ihren Band I bekam.

< zurück >